Neue Sonderausstellung "Wo weder Sonne noch Mond hinscheint" ab 06. Dezember 2009 im Museum Gutenstetten
Unter diesem Motto ist im Museum für Archäologie und Gemeindegeschichte Gutenstetten, Hauptstraße 32 eine neue Sonderausstellung über Nachgehurtsbestattungen, einem fast vergessenen Brauch zu sehen.
In der Regel wurden die Urnentöpfe entlang der Kellerwand vergraben.
Einige Exemplare aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie alles Wissenswerte hierzu wird ihnen unser Museumsbetreuer Manfred Bittner in einer Power-Point-Präsentationjeweils um 14.30 Uhr und um 16.30 Uhr erläutern.
Diese Sonderausstellung ist ab 06. Dezember 2009 jeweils arn ersten Sonntag im Monat (14-18 Uhr) und an den Winteröffnungstagen (hier aber ohne Power-Point-Präsentation) zu sehen.
Wir würden uns über ihren Besuch sehr freuen. Gemeinde Gutenstetten
Helmut Reiß, 1. Bürgermeister
NachgeburtsbestattungenEin fast vergessener Brauch
FundsteIle:
Schornweisach ca. 16. Jahrhundert aus dem Jahr 2006
Deutenheim ca. 17. Jahrhundert aus dem Jahr 1994
Angst vor bösen Mächten.
Die Vorstellung: Wird das Wesen ( Nachgeburt) schlecht behandelt, röcht es sich womöglich am Kind, so dass es krank werden oder sterben kann. Die sorgfältige Bestattung und Rückgabe an Mutter Erde sollte dieser Auffassung nach eine wesentliche Voraussetzung für das gedeihen des Kindes darstellen.
Ältester Nachweis im süddeutschen Raum aus dem Jahr 1517 gedruckte Predigt: ... unter der Stiege vergraben ...
Verwendet wurden die typischen einhenkligen, innen glasierten und außen mit Engobestreifen bemalten Einheitstöpfe: deren Form vom 16. bis 18. Jhd. nahezu unverändert blieb.
Es finden sich gebrauchte, bereits zum Kochen benutzte Töpfe ebenso wie neue. Andere Gefäßtypen wie Schüsseln oder Kacheln sind dagegen selten.
In der Regel sind die Töpfe entlang der Kellerwand vergraben, meist nur 5 - 20 cm unter dem Kellerboden und bevorzugt in den Ecken. Die pro Keller entdeckte Anzahl reicht von einem bis zu 50 Töpfe. Die aufrecht stehenden Töpfe wurden mit meist umgekehrt aufgelegten Tondeckeln, Holzbrettehen, Ziegel- oder Steinplatten abgedeckt.
Gelegentlich gab es auch vom Haus aus zugängliche kleine Höhlen oder Kammern über dem Kellergewölbe und unter der Treppe.
In Schwaben hieß es.
Die Nachgeburt soll man nicht im Freien, man soll sie unter Dach, im Hause oder Stall begraben. ( Birlinger 1861).
Aus Crailsheim weiß der Pfarrer Heinrich Höhn 1904 zu berichten, dass zur Bestattung einer Nachgeburt ein neuer, mit Deckel bedeckter Hafen benützt werden soll. Er soll so eingegraben werden, dass der Deckel nach unten zu liegen kommt. ( Bohnenberger 1904 ).
Die Ursache für das Ende dieses Brauches hängt sicher damit zusammen, dass Entbindungen fast nur noch in Krankenhäusern stattfinden, wo auch die Entsorgung durchgeführt wird.