Gemeinde Gutenstetten

Landkreis Neustadt a.d.Aisch
Bad Windsheim

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Bier und Kellergeister in Gutenstetten

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Was es mit den Kellern im Aischgrund auf sich hat

100 Kellereingang

Felsenkeller gehören zu den markanten Besonderheiten des Aischgrunds - so wie die Karpfenteiche, die vielen Schlösser und der Storch. Von Marktbergel bis Adelsdorf sind sie in fast allen Orten und Ortsteilen vielfach anzutreffen. Manchmal mitten im Dorf, häufig an den Ortsrändern, gelegentlich auch abseits im Wald. Bis zu 1.000 Keller könnten es insgesamt sein. Gut 600 hat der Geograph Bernhard Hölzel im Auftrag der LAG Aischgrund aufgespürt, untersucht, kartiert und fotografiert.

www.lag-aischgrund.de

 
105 LAG Logo

 

Die meisten der hiesigen Keller wurden Mitte des 19. Jahrhunderts in den Fels gehauen. Hölzel spricht von einem regelrechten „Bauboom” zwischen 1850 und 1900. Ihre Entstehung hängt eng zusammen mit dem Aufblühen der Braukultur, dienten sie doch vor allem der Lagerung von Bier, aber auch von Most, Wein, Obst, Gemüse und anderen Erzeugnissen aus der Landwirtschaft. Denn in den Kellern herrschen gemäßigte und erstaunlich konstante Temperaturen. Dadurch bleibt das Lagergut lange frisch und haltbar.

Auch weitaus ältere Exemplare finden sich im Aischgrund, die bis ins Mittelalter zurückreichen. So etwa in Bad Windsheim, wo große Teile der Innenstadt unterkellert sind. Bei der Neugestaltung des Windsheimer Marktplatzes im Jahr 2000 wurden historische Gipskeller, Brunnen, Skelette, Schmuck- und Alltagsgegenstände ausgegraben und in einem „Archäologischen Fenster” zusammengestellt.
Eine „Unterwelt” hat auch die Altstadt von Neustadt zu bieten. Jahreszahlen wie 1544 und 1722 sind an den Gängen zu lesen, die bei speziellen Stadtführungen in Augenschein genommen werden können.
Auf rund 400 Jahre wird das Alter des Kellerbergs in Höchstadt geschätzt. Mit 200 Kellern und zahlreichen Kellerhäuschen ist er nicht nur die größte Anlage dieser Art im Aischgrund, sondern möglicherweise bundes- oder gar europaweit einzigartig. Ein eigener Kellerbergverein kümmert sich hier um die Pflege, Erhalt, Vergabe und Nutzung der Keller. Mit Hilfe der europäischen LEADER-Förderung konnte eines der Kellerhäuser 2008 beispielhaft saniert werden.

Eindrucksvolle Keller gibt es in weiteren Aischgrund-Gemeinden, in Marktbergel, Gutenstetten, Lonnerstadt oder Mühlhausen beispielsweise.
Heute fristen die einst hoch geschätzten Felsenkeller jedoch ein trauriges Dasein; sie werden nicht mehr gebraucht, verrotten, verfallen. Oft verhindern auch unklare Besitzverhältnisse eine Sanierung.

In jüngerer Zeit haben sich Naturschützer einer Reihe von Aischgrund-Kellern angenommen, behutsam saniert, verschlossene Eingänge mit Öffnungen versehen und sie zu Fledermausquartieren umfunktioniert. Neben den streng geschützten Fledermäusen überwintern auch einige Schmetterlingsarten, Käfer und andere Insekten in den Kellern.

 

Wie ein typischer Aischgrund-Keller aussieht

Viele der Keller gleichen sich. Sie besitzen einen Eingang (A), Haupt- und gelegentlich Seitengänge (B), eine Kerzennische (C) und eine Steinstufe oder ein Podest zur erhöhten Lagerung der Fässer (D). Oft ist auch ein Lüftungsschacht vorhanden (E).
Mancherorts hat man Kellern Verbindungen untereinander angedichtet, Geheimgänge, unterirdische Wege, die zu einem Schloss, zur Kirche oder in den Wald führen. In aller Regel aber finden sich keine handfesten Belege dafür.

 
140 Kellerskizze

Skizze 1

 
 

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Wo Keller zu besuchen sindBad Windsheim Archäologisches Fenster am Marktplatz, geöffnet an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr sowie bei Stadtführungen, Infos: Telefon09841-402 0 www.bad-windsheim.deNeustadt/Aisch Kellerbesichtigungen im Rahmen einer Stadtführung zum Thema „Kellergewölbe”. Zu buchen bei der Tourist-Info im Rathaus, Telefon09161-666 14 www.neustadt-aisch.deGutenstetten Kellerführungen: Eiskeller und Bierkeller der örtlichen Brauereien. Informationen: Gemeinde Gutenstetten, Telefon 09161-3167 oder 88 85 0Höchstadt/Aisch Führungen durch den Kellerbergverein. Auskünfte bei der Stadtverwaltung, Telefon 09193-626 0, www.hoechstadt.de Adelsdorf Adelsdorfer Kellerweg, ca. neun Kilometer langer Rundweg durch die Gemeinde - mit mehreren Schautafeln, nicht nur zu Kellern. Informationen im Rathaus, Telefon 09195-94 32 0 Aischgrund Gastronomische Nutzung unter anderem in Voggendorf (Gemeinde Uehlfeld), Neuhaus, Lauf, Weppersdorf (Gemeinde Adelsdorf); Brauereibesichtigungen auch über die Aischgründer Bierstraße, Telefon 09162-124 24, www.bierstraße.de Weiterführende Informationen und Projekte finden Sie auf den Seiten der Lokale Aktionsgruppe Aischgrund, kurz LAG Aischgrund genannt. www.lag-aischgrund.de Keller in Gutenstetten( Dieses Projekt entsteht in Zusammenarbeit des Webmasters, mit Karl Heinz Pfund und der LAG Aischgrund )Die Entstehung der Felsenkeller ist wahrscheinlich in vier Stufen erfolgt. Die erste Stufe Anfang des 16. Jahrhunderts, die runden Sandsteinsimse in Eingangsbereich sind von gleich guter Machart und Ausführung.Die 2. Stufe Mitte bis Ende des 17. Jahrhunderts, also nach dem 30 Jährigen Krieg. Das war die Zeit in der das Brauwesen einen großen Aufschwung erlebte.Die 3. Stufe Mitte des 19. Jahrhunderts, die gute Handwerkliche Ausführung der Sandsteingewölbe und die gut erhaltenen Sandsteinsimse der Eingangsbereiche lassen diesen Schluss zu. Das geht einher mit einer aufstrebenden Landwirtschaft und der Ausdehnung der Nahrungsmittelproduktion. Die Bauern wurden langsam frei. Die 4. Stufe war die Zeit um 1925 – 31. Die Brauerei Hofmann in Pahres begann 1931 mit brauen von Hausbraubier. Wer als „Altbräuer” bisher sein Bier in Höchstadt /Aisch, Lonnerstadt oder Ühlfeld brauen ließ machte natürlich nicht mehr den weiten Weg mit dem Ochsen oder Pferdegespann, sondern übertrug sein steuerbegünstigtes Braurecht auf die Brauerei Hofmann in Pahres. Um dieses Braurecht ausüben zu können musste gegenüber dem Zollamt eine Bierlagerstätte nachgewiesen werden, sonst gab es keine Genehmigung. Jetzt wird klar warum in diesen Jahren ein solcher Felsenkellerbau in den Holgassen der Dörfer einsetzte. Standorte der Keller in GutenstettenVerfasser – Bernhard Hölzel / September 2007 Bild & Kartenmaterial entnommen aus der vom Verfasser erstellten DVDSteigerwaldstraße ortsauswärts linksKellerstandorte in der Steigerwalsstraße1. Keller links : Besitzer jetzt Brauerei Windsheimer - Dietmar Windsheimer – Hauptstraße 13 1 Abt. Lagerkeller2. Keller links : Besitzer jetzt Brauerei Windsheimer – Dietmar Windsheimer – Hauptstraße 13 / Abteile 5 / Eiskeller - Bier - Gär & Lagerkeller??????????3. Keller links : Besitzer jetzt Paul Holler – Hauptstraße 17 / 1 Abt. - Lagerkeller Naturschutz – Projekt !!Steigerwaldstraße ortsauswärts links4. Keller links : Besitzer jetzt Paul Reiß – Hauptstraße 10 / 1 Abt. - Lagerkeller Naturschutz – Projekt !!5. Keller links : Besitzer früher Leonhard Lunz – Steigerwaldstraße 4 / 1 Abt. – Lagerkeller / baufällig. Naturschutz –Projekt !!Keller links : Besitzer jetzt Hans Lunz – Steigerwaldstraße 2 / 1 Abt. – Lagerkeller / 2 Eingänge.Steigerwaldstraße ortsauswärts rechts????????1.Keller rechts : Besitzer jetzt Friedrich Ristelhuber ½ Anteil – Am Stübacher Berg 12 / 2 Abt. Lagerkeller / Der andere ½ Anteil gehörte der verstorbenen Babette Kolb – Hauptstraße 12 Erbauer war Maurermeister Leonhard Hofmann ca. 1850 /sauber mit Sandstein gewölbt, Steinboden.2.Keller rechts : Besitzer jetzt Friedrich Ristelhuber – Am Stübacher Berg 12 / 1 Abt / Lagerkeller. extra gegrabenes Loch mit Leiter für Bier. Erbauer Maurermeister Leonhard Hofmann ca. 1850. sauberes Sandsteingewölbe und Steinboden. 3. Keller rechts : Besitzer jetzt Thomas Bauer – Reinhardshöferstraße 2 / 1 Abteil / Bier & Lagerkeller Hirtensteige Keller links Kellerstandorte Hirtensteige1.Keller links : Besitzer jetzt Reinhold Gressel – Hauptstraße 11 / 3 Abteile / Lagerkeller2.Keller links : Besitzer früher Hans Müller / jetzt Bernhard Kern – Hauptstraße 6 / 2Abt./Lagerkeller 2.Abt. / Liselotte Heidel, Hauptstraße 18 3.Keller links : Besitzer jetzt Karl-Heinz Birkner – Hauptstraße 34 / 2 Abt. / Bierkeller 2.Abt. Liselotte Heidel, Hauptstraße 18 Naturschutz –Projekt !!Hirtensteige Keller rechts1. Keller rechts : Besitzer jetzt Erwin Billner – Hauptstraße 19 / 1 Abt./ Nutzung jetzt Helmut Weber Hauptstraße 32 / Lagerkeller2.Keller rechts : Besitzer jetzt Roland Distler – Kirchenweg 1 / 2 Abt. / Besitzer 2. Abteil / Christa Ott Steigerwaldstraße 6 / Bierkeller3.Keller rechts : Besitzer jetzt Richard Frühwald – Hauptstraße 8 / 1 Abt. / Lagerkeller4.Keller rechts : Besitzer jetzt Richard Frühwald – Hauptstraße 8 / 1 Abt. / Bierkeller5.Keller rechts : Besitzer jetzt Hans Lunz – Steigerwaldstraße 2 / 1 Abt. / Lagerkeller / Besonderheit 2 Kellereingänge-1.von der Hirtensteige - 2. von der Steigerwaldstraße.Am Stübacher Berg Keller linksKellerübersicht1.Keller links : Besitzer jetzt, Johann Maderer – Blumenstraße 1 / 1 Abt. / Lagerkeller / guter Zustand. Jetziger Nutzer, Semmelmann – Am Stübacher Berg 8 / Baujahr 1511 ist im Eingangsbogen außen noch schwach eingemeißelt zu sehen / Das gleiche Baujahr wie der Altar in der St. Johanniskirche. Ist da ein Zusammenhang zu sehen ?2. Keller links : Besitzer jetzt, Andreas Bögel – Diebacherstraße 3 / 91413 Neustadt/Aisch / 1Abt./Lagerk. Tel. 09161 – 3124 / Gertrud Bögel stammt aus dem Anwesen – Steigerwaldstraße 4 zu dem der Keller bis zum Verkauf des Anwesens gehörte. Jetzige Nutzer – Gartenbauverein Gutenstetten – 1. Vorsitzender Siegfried Rausch. Der Keller wird hauptsächlich für die Überwinterung von Dahlien genutzt.3.Keller links : Der Keller wurde beim Straßenausbau des Stübacher Berges während der Flurbereinigung 1978 im Eingangsbereich verfüllt und ist zur Zeit nicht zugänglich. Der frühere Besitzer war die Brauerei Windsheimer – Dietmar Windsheimer – Hauptstraße 13. Der größte und tiefste Keller am Stübacher Berg gehörte in früheren Jahrhunderten zur Braustätte mit Schankwirtschaft „Rotes Ross” heute Fam. Pfeiffer – Blumenstraße 8. Es bestand ein Lüftungsschacht der auf dem darüber liegenden Grundstück der Fam. Bögel aus Neustadt mündet und mit einer Sandsteinplatte abgedeckt ist. Der Keller diente im 2. Weltkrieg als Luftschutzraum für das untere Dorf. 3 Abt. / Windsheimer – Wehr- Pfeiffer / Bier - Lagerkeller / Baujahr ca. Mitte 16. Jahrhundert.4. Keller links : Besitzer jetzt, Günther Eckenbrecht – Blumenstraße 2 / 5 Abt. / Bierkeller / Abt. 2 Hans Lunz – Steigerwaldstraße 2 / Abt. 3 – Johanna Klenk – Blumenstraße 10 / Abt. 4 – Horst Kraft Blumenstraße 3 / Abt. 4 – Leonhardt Schmidt – Blumenstraße14. Am Stübacher Berg Keller links2/rechts35. Keller links : Besitzer jetzt, Paul Reiß – Hauptstraße 10 / 7 Abt. / Bierkeller / Abt. 2 – Erwin Strebel Hauptstraße 1, früher Hans Engelhardt / Abt.3 – Gerhard Knöchlein – Blumenstraße 4 / Abt. 4 – Karl Wernlein – Kirchenweg 16 / Abt. 5 – Maria Gräßel – Kirchenweg 18 / Abt. 6 / früher Fritz Maison jetzt Wilhelm Peters – Blumenstraße13 / Abt. 7 – früher Hans Müller, jetzt Johanna Kern - Hauptstraße 16.6.Keller links : Besitzer jetzt, Hermann Weninger – Hauptstraße 20 / 5 Abt. / Bierkeller / 2. Abt. - Helmut Dill – Blumenstraße 9 / 3. Abt. – Rosemarie Wirth – Steigerwaldstraße 10 / 4. Abt. – Martin Bauer – In der Hofstadt 7 – Das Abteil gehörte früher zum Anwesen Thomas Bauer – Reinhardshöfer Str. 2 / Abt. 5 – Besitzer Günter Mechs – Steigerwaldstraße 12. - heutiger Nutzer Siegfried Rausch – Am Stübacher Berg 16 – Das Abteil gehörte früher zum Anwesen Jakob Weninger. Hier die exakte Aufteilung der Abteile von links vorne nach hinten und rechts vorne nach hinten, Angaben von Hermann Weninger. 1.links – Rosi Wirth / 2. links – Hermann Weninger / 3. hinten gerade – Helmut Dill / 1. rechts Siegfried Rausch / 2. rechts Martin Bauer.1.Keller rechts : Besitzer jetzt, Karl-Heinz Pfund – Sportplatzweg 6 / 1 Abt. / Bier u. Lagerkeller guter Zustand, neue Tür aus Lärchenholz, baumfrei, sauber mit gebrannten Ziegelsteinen gewölbt. Nutzung als Hausbraubierausschank für Urlaubsgäste. Der Keller gehörte bis 1997 zum Anwesen „Rehhof” – Hauptstraße 22 – dem Geburtshaus des jetzigen Besitzers. Baujahr – Winter 1928-29. Jetzt Gästehaus Rehhof – Sportplatzweg 62.Keller rechts : Besitzer jetzt, Paul Holler – Hauptstraße 17 / 1 Abt. / Lagerkeller / schlechter Zustand - Eingang baufällig – keine Tür – starker Akazienbestand. 3.Keller rechts : Besitzer jetzt, Erwin Haag – Blumenstraße 11 / 5 Abt. / Bierkeller / guter Zustand – baumfrei – Eingang u. Felsen in Ordnung – Gewölbe mit Eisenschienen abgesichert / Abt. 2 Helmut Distler – In der Hofstadt 13 – das Abteil gehörte früher zum Anwesen Karl Ell – Schulstr. 3 Abt. 3 – Hans Neukamm –Blumenstraße 16 / Abt. 4 – Rüdiger Friedrich – Blumenstraße 12 / Abt. 5 – Erwin Billner – Hauptstraße 19 – Nutzer jetzt – Günter Kunz – In der Hofstadt 19 / Die Entwässerung im Keller funktioniert noch. Baujahr 1929-30.Historisches (Tagebuch des Gutenst Pfarrer Johannes Wild 1933 u. 1945)Interessante Einträge über die Kellernutzung in Gutenstetten zwischen 1943-45 aus dem Tagebuch des Gutenstettner Pfarrer Johannes Wild. 1943 9. Februar. Die ältesten Kirchenbücher sind nun zum Schutz gegen Luftgefahr in einer starken Holztruhe im Turmgewölbe aufbewahrt. 26. Februar. Vergangene Nacht ging es böse zu. Gegen 3/4 11 Uhr kamen feindliche Flieger in großer Zahl und überflogen unsere Gegend in Richtung Nürnberg. Es war ein mächtiges Rauschen in den Lüften. Es waren zahlreiche Detonationen bald näher, bald entfernter zu vernehmen. Über Gutenstetten sollen mehrere Leuchtraketen niedergegangen sein. Bei Diespeck, Stübach. Scheuert, Losaurach u(nd) anderen Orten wurden Bomben abgeworfen, ohne zu schaden. Auf dem Stübacher Berg wurden zahlreiche Brandbomben gefunden. Da die Flieger durch starke Flugabwehr von Nürnberg abgedrängt wurde(n), warfen sie ihre Bomben über die Dörfer zwischen Nürnberg und Erlangen ab. Großgründlach wurde schwer betroffen. In Kraftshof wurde die Kirche zerstört. Die Bevölkerung wurde durch den Angriff schwer beunruhigt. 9. März. Vergangene Nacht gegen 1/2 12 Uhr überflogen wieder feindliche Flieger unsere Gegend in Richtung nach Nürnberg. Sie waren diesmal etwas weiter von uns entfernt. Das Rauschen in der Luft war wieder gewaltig, doch nicht so stark u(nd) lange während wie das vorige Mal. Der Angriff galt Nürnberg, das böse mitgenommen wurde. Die Leute bei uns sind nun sehr beunruhigt. Sie suchen die Felsenkeller in der Pfarr**- und Hirtensteig (Windsheimers und Birkners Keller) und auf dem "Weg nach Stübach auf. Sie verpacken auch Sachen und schaffen sie in die Keller. 11. April. Erfahre heute, daß Feldwebel Hans Lunz, Sohn des Kirchenpflegers Lurz in Reinhardshofen, in Rußland gefallen ist. Das ist nun der 3. Sohn, den Lunz durch den Krieg verloren hat. 17. April. Vergangene Nacht überflogen feindliche Flieger in großer Zahl unser; Gegend u(nd) Süddeutschland. Das elektr(ische) Licht war wieder im Dorf abgeschaltet. Wir waren wieder längere Zeit auf. Besonderes hat sich bei uns nicht ereignet. Bei dem "Weiler Emelsdorf bei Birnbaum wurde eine garnz schwere Bombe geworfen, die nicht explodierte. 1945 14. April. Samstag. Stehe früh 5 Uhr auf. Der Vormittag verläuft ruhig. Die Spannung ist ungeheuer. Was wird der Tag bringen? Bierlein von Kleinsteinach kommt u(nd) teilt mir mit, daß er an seinem Kind die Nottaufe vorgenommen hat. Seit gestern nachmittag fehlt der elektrische Strom. Ich werde an das Telephon von Münchsteinach aus gerufen. Frau Pfarrer Eichner teilt mir mit, daß Oberforstwart Wollner in Neuebersbach gestorben sei u(nd) fragt, ob ich die Beerdigung am Montag halten könne. Zögernd sage ich zu, denn ich bin sehr müde. Die Nachricht von den 50 Panzern vor Roßbach soll nicht richtig sein. Die Frauen wollen die Panzersperre bei der Mühle wegnehmen. Es wird nicht erlaubt. Nachmittags wird es sehr unruhig. Heftige Detonationen sind vor allem in westlicher und südwestlicher Richtung zu vernehmen. Wo mag das gewesen sein? Abends vor 6 Uhr ist der elektrische Strom wieder da. Frau Wollner von Neuebersbach kommt abends wegen der Beerdigung ihres Mannes. Wir nehmen den Lebenslauf auf u(nd) vereinbaren die Beerdigung auf Montag, den 16.4., früh 7 Uhr in Münchsteinach. Wir wagen es, uns abends in Kleidern niederzulegen. Aber an ein Ausruhen ist bei dem sich immer mehr nähernden Lärm der Detonationen nicht zu denken. 15. April. Sonntag. Früh gegen 4 Uhr wird gerufen: Alles in den Keller! Wir richten uns so schnell als möglich und gehen hinüber in den Keller von Windsheimer, der bald ganz gefüllt ist von erschreckten Leuten. Alte u(nd) Junge, Frauen u(nd) Männer sind da, dazu die kleinen u(nd) kleinsten Kinder. Auch die gelähmte alte Frau Bauer wurde in den Keller gebracht. Die Spannung steigt aufs höchste. So harren wir mit größter innerer Unruhe dem Morgen entgegen. Immer wieder wird die Beseitigung der Panzersperren erwogen. Sie ist nicht möglich, so lange deutsche Soldaten im Dorf sind. Endlich sind sie fort. Nun wird die Sperre bei der Mühle schnell beseitigt. Gegen 8 Uhr heißt es: Ein Spähtrupp hat das Dorf angeschossen. (Bei Wellhöfer und bei Lobig sind noch die Einschläge an den Wänden zu sehen.) Bald darauf: sie seien schon im Dorf. Es wird bekannt gemacht: überall sollen weiße Fahnen gehißt werden. Die Waffen sollen beim Bürgermeister abgeliefert werden. Ich gehe in das Haus. Es kommen zwei Soldaten, die Pistole in der Hand, und durchsuchen das Haus u(nd) die Nebengebäude nach deutschen Soldaten. In die Kirche gehen sie nicht. Ich trage eine kleine Walter-Pistole zum Bürgermeister. Wieder kommt ein Soldat und verlangt die sofortige Räumung des Hauses. Er fragt nach Waffen, Radio u(nd) Photo im Hause und nimmt mir meinen neuen Apparat: Ikonta 6/9 weg. Im Schulhaus haben sie Hakenkreuzfahnen u(nd) eine Uniform Hußendörfers entdeckt. Sie verbrennen sie im Schulhof. Das Hitlerbild liegt zertreten vor dem Schulsaal. Wir nehmen schnell unser Handgepäck mit u(nd) gehen wieder in den Keller. Frau Platzöder bringt einen großen Krug heißen Kakao; Frau Schneider sendet heiße Milch. Wir waschen uns flüchtig bei Lottes. Im Pfarrhaus hat sich der Stab niedergelassen. Eine Funkanlage wird eingerichtet. Nach allen Seiten werden Telephondrähte gelegt. Es wird an der Beseitigung der Panzersperren gearbeitet. Unaufhörlich rollen Panzer- und andere Wägen ins Dorf u(nd) durch das Dorf, das angefüllt ist mit Militär. Zwischen den amerikanischen Truppen u(nd) den deutschen Soldaten jenseits der Brücke wird lebhaft hin- u(nd) hergefeuert. Die Pickelleite u(nd) der Wald nach Dettendorf liegen fortwährend unter Artilleriebeschuß. Das Haus von Übler u(nd) der Bahnhof werden stark mitgenommen. Die Amerikaner legen eine Brücke über die Aisch, die sie am Dienstag nach ihrem Abzug wieder abbrechen u(nd) mitnehmen. Wir verbringen die meiste Zeit im Keller, in dem es empfindlich kalt ist. Das Pfarrhaus zu betreten, wird uns nicht erlaubt. 16. April. Montag. Der Keller ist wieder dicht gefüllt. Die Nacht erscheint endlos. Vor 8 Uhr dürfen wir den Keller nicht verlassen. Wir verbringen den Tag meist bei Lottes. Fr(äu)l(ei)n Lottes bewirtet uns freundlichst. Frau Platzöder sendet uns auch ein gutes Mittagessen. An der Anschlagtafel an der Zehntscheune sind die Verlautbarungen Eisenhowers angeschlagen. Die NSDAP mit allen ihren Organisationen ist als aufgelöst erklärt, zahlreiche Gesetze werden als aufgehoben bezeichnet. Von abends 6 Uhr bis früh 7 Uhr darf niemand sich auf der Straße aufhalten. Wir übernachten bei Lottes. 17. April. Dienstag. Als ich morgens nach 8 Uhr am Pfarrhof vorübergehe, sehe ich keinen Posten mehr. Ich gehe in das Haus. Es ist von den Soldaten verlassen. Wir kehren zurück in das Haus und bekommen nun viele Arbeit, denn das Durcheinander ist groß. Ich mache auch die betrübliche Erfahrung, daß ich manches nicht mehr finden kann. Auch im Dorf ist mancherlei vorgekommen. Einige Männer aus der Gemeinde: Hans Gräßel, Lobig, Reiß, Pfund, Windsheimer wurden verhaftet u(nd) nach M(ar)kt Einersheim geschafft u(nd) dort verhört. Sie durften wieder zurückkehren, da gegen sie nichts vorlag. Die Texte wurden den Buch „Ein deutscher Soldat liegt tot auf der anderen Seite der Aisch" ISBN 3-00-014779-9 entnommen. Empfehlung: Italo Bacigalupo (Bearbeiter) „Ein deutscher Soldat liegt tot auf der anderen Seite der Aisch" Die Vorkriegs- und Kriegsjahre 1935-1945 in den Tagebuchaufzeichnungen des Gutenstettener Pfarrers Johannes Wild Mit zugehörigen Einträgen über Gefallene und Heimkehrer, notiert von 1945 bis 1947 durch denselben und von 1947 bis 1950 durch Pfarrer Friedrich Nägelsbach, sowie einleitenden Erinnerungen von Meta Zemann

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Update:04.06.09 20:06